Längengrad

Vieles ist heute selbstverständlich. Wenn man jedoch zurückblickt, gibt es in der Geschichte einige 
interessante technische Entwicklungen, die, großen Widerständen zum Trotz, nur dank der großen 
Ausdauer ihrer Erfinder möglich war, so zum Beispiel die


Bestimmung eines Längengrades auf See.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es kein brauchbares Verfahren, um einen Längengrad auf See zu bestimmen. Selbst die größten Kapitäne in der damaligen Zeit konnten die Orientierung verlieren. Vielen Schiffen mit ihren Besatzungen wurde dies zum Verhängnis. Seefahrer und Kaufleute legten dem Parlament von Westminster eine Petition vor, in der auf die Dringlichkeit einer Lösung hingewiesen wurde. Im Jahre 1714 wurde der Longitude Act durch die englische Königin Anne erlassen. Für die Lösung des Längengradproblems wurden 20000 Pfund Sterling ausgeschrieben. Für heutige Begriffe mehrere Millionen Euro.
Viele Lösungen wurden vorgeschlagen. Eine Lösung zur Bestimmung des Längengrades war die Ermittlung der Monddistanz. Der englische Uhrmacher John Harrison setzte auf möglichst genaue Uhren, die Chronometern. Er entwickelte in einem Zeitraum von 40 Jahren vier Chronometer, die ihm trotz Anfeindung und Missgunst schließlich den ausgelobten Preis und Anerkennung einbrachten. Diese Uhren zeigten die Greenwich-Zeit an. Der Chronometer H4 hatte einen Durchmesser von 13 cm. Nach 81-tägiger Seereise hatte diese Uhr eine Gangabweichung von 5 Sekunden. Der erste von Harrison gebaute Chronometer H1 existiert heute noch und ist im National Maritime Museum in Greenwich zu sehen. 
Harrison wird auch „Vater der Zeit“ genannt.
                                                                                                                                                                                  Friedrich Sander


Literatur: Sobel, Dava; Längengrad