Unsere Sonnenuhren

 

Eine Blindensonnenuhr oder
eine besondere Art, die Zeit zu fühlen


Für nicht sehbehinderte Menschen ist vieles selbstverständlich. Ihre Sinnesorgane liefern ständig Informationen, von denen nur ein geringer Teil bewusst wahrgenommen wird. Am Ende eines Tages wird festgestellt, dass man sich nur an wenige Dinge spontan erinnert. Eine schnelle Analyse zeigt: Es sind Bilder, die man als erstes abrufen kann.

Viele Menschen in Deutschland haben ein Augenleiden, nahezu 500.000. Davon sind ca. 155.000 vollständig erblindet.

Wie geht es Menschen, die ohne Augenlicht leben? Nehmen sie mit den übrigen Sinnesorganen insgesamt mehr wahr als Sehende? In Gesprächen mit blinden Menschen und Pädagogen an Blindenschulen wird mir bestätigt, dass die anderen Sinnesorgane, bedingt durch ihre intensivere Inanspruchnahme, in der Tat mehr und feinere Informationen liefern, aufgrund derer ein anderes, aber ebenfalls sehr detailliertes „Bild“ der Welt entsteht.

Es ist schön, mit Hilfe des Lichtes sehen zu können. Dies wird erst durch unsere Sonne ermöglicht, die uns im jährlichen Zyklus begleitet. Dabei gibt es ein unscheinbares und fast vergessenes Instrument, das uns diesen Jahresverlauf anzeigt: die Sonnenuhr. Aus diesen Gedanken entstand die Idee, eine Sonnenuhr für blinde Menschen zu entwickeln, an der man die Zeit fühlen kann. Natürlich sollte sie auch für sehende Menschen nutzbar sein.

Zum Erfassen räumlicher oder geometrischer Wahrnehmungsmuster ist der Tastsinn der wichtigste für blinde Menschen. Dies habe ich bei meinem taktilen, also mit dem Tastsinn erfahrbaren Sonnenuhrmodell, berücksichtigt. Meine Idee war, mit Wärme aus Licht den Zeitverlauf fühlbar zu machen. Nach über einem Jahr Entwicklung mit einigen Versuchen ist diese ungewöhnliche Uhr entstanden. Sie arbeitet mit Linsen, die das Sonnenlicht bündeln. Die Wärme führt zu Anzeigen auf Zifferblättern.

Es sind astronomische Abläufe, die man an Sonnenuhren ablesen kann. Deshalb besteht diese Sonnenuhr aus zwei Bereichen. Neben den Stunden wird auch die Deklination fühlbar. Es wird angezeigt, in welchem Monat (Sternenbild) wir uns befinden.

Diese Sonnenuhr kann mit den bekannten klassischen nur eingeschränkt verglichen werden, da ein Schattenwurf nicht vorhanden ist. Die physikalisch-technischen Merkmale bestimmen ihr Bild und zeigen doch wichtige Elemente der Gnomonik.

Friedrich Sander

taktile Sonnenuhr
 

 

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